Infusionen frostsicher Lagern

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06.06.2012, 22:24
Nun, sofern der Hersteller es nicht anders angibt, was sollte dagegen sprechen?
Wobei ich die Sinnhaftigkeit von Wärmefächer generell in Frage stellen würde.
Bei niedrigen bis mittleren Laufraten kommt die Infusion nicht mehr wirklich warm, je nach Umgebungstemperatur eher kalt an. Lediglich wenn die Infusion "im Schuss" oder als Druckinfusion appliziert wird kommt von der ursprunglichen Temperatur etwas beim Patienten an.
Um ein Auskühlen des Patienten effektiv zu verhindern halte ich Maßnahmen wie RTW aufheizen, Zudecken und aktive Wärmezufuhr durch Wärmematten für zielführender. Wenn hier auf ein vernünftiges Wärmemanagment geachtet wird dürfte es relativ egal sein ob die Infusion nun 20 Grad oder 32 Grad hat.

Was Anderes ist es im OP, wo unter Umständen relativ hohe Flüssigkeitsmengen in relativ kurzer Zeit infundiert bzw transfundiert werden. Hier nutzt man häufig spezielle Infusionssysteme die die Infusion/Transfusion auf dem Weg zum Patienten aktiv erwärmen.Beispiele sind dieHotline für normale Schwerkraftinfusion oder der Level one für Druck bzw Massivtransfusionen. Hier sprechen wir dann aber unter Umständen von 15-20 oder mehr Litern pro Stunde.
Und trotzdem kühlen die Patienten aus, wenn nicht andere Maßnahmen zum Wärmeerhalt oder zur aktiven Wärmezufuhr getroffen werden.

07.06.2012, 05:23
Bezüglich der Wärmefachlagerung:
Hier kommt es auf den einzelnen Hersteller an. Es gibt Hinweise darauf, dass bei längeren Wärmefachlagerungen (größer 6 Monate) Weichmacher aus dem Infusionsbeutel in die Lösung übergehen können.
(Genauso ist übrigens das mehrfache "hoch und runter kühlen" (z.B. durch Entnahme des Rucksacks aus dem warmen RTW & die anschließende "Schockkühlung" auf tiefe Temperaturen mit anschließender "Reerwärmung" bei weitem nicht so unkritisch wie man glaubt. Es gibt hierbei Probleme mit dem "porös" bzw. brüchig werden und einer (theoretischen) Keimeinwanderung.... Aber wie immer alles sehr Herstellerabhängig)

Allerdings hängt dies stark vom Hersteller ab, afaik hat Braun z.B. eigene Versuchsreihen gemacht und dies bei ihren Produkten nicht nachweisen können.
Allerdings muss man auch beachten das viele Lösungen (grade HAES) oft nur bei maximal 32° gelagert werden dürfen, Wärmefächer aber ja im Regelfall 36-38° aufweisen.
Damit verbietet sich die Lagerung automatisch.

Bezüglich des Temperatursache:
Das ist so nicht ganz richtig. Ich kann dir aus der praktischen Erfahrung sagen das es bei einem normal-temperierten Patienten reicht 2l 4° kalte Flüssigkeit zu infundieren um sie problemlos auf 32-33° runter zu kühlen (wir tun dies grade im Rahmen einer groß angelegten australienweiten Studie).

Von daher macht es Sinn die Infusionslösungen zu mindestens auf einer "annehmbaren" Temperatur zu halten (das es hier keinen Unterschied macht ob die Lösung 32 oder 38 Grad hat ist relativ klar.)
Grade im Angesichts der Tatsache das es aber in .de im Winter recht unangenehm kalt werden kann...

(und was die beim polytraumatisierten Patienten ja fast schon "regelhaft" vorhandene Hypothermie mit der Blutgerinnung macht muss ich ja nicht erklären, oder?)

07.06.2012, 08:01
Ich finde es ja toll, wie ihr euch meines Problems annehmt, aber langsam weicht ihr vom Thema ab :rolleyes:
Eigentlich wollte ich nur wissen, wie man Infusionen im Winter am besten frostfrei lagern kann. Hier noch mal die Eckdaten:

- Material lagert in 4-Tragen KTW's, Sprinter bzw. LT
- KTW's haben keinen Stromanschluß und kein Wärmefach
- KTW's stehen in einer nicht beheizbaren Trapezblechhalle auf der grünen Wiese (Strom ist aber vorhanden)

Momentan bastel ich an einer Lösung mit einem ausgedienten Kühlschrank und eingebautem Frostwächter... Gibt's 'ne bessere Lösung?
Erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt... X(

07.06.2012, 08:29
Das ist ein Forum, das ist normal...by the way ein Schulsaniforum, vielleicht solltest du lieber diese Frage in einem Forum für Kälte-/Wärmetechnik stellen, da driftet das sicher nicht ab und die haben sicher mehr Ahnung als die meisten hier...

Was erwartest du? Eine Musterlösung die exakt deinen Vorstellungen entsprich? Lösungen waren doch schon dabei: Baut euch ne Halle, heizt das Auto, lagert die Sachen in einem Schrank in der Unterkunft.
LSM 199?, EHK 2002 ... ;-)

07.06.2012, 08:39
So wie ich es sehe habt ihr nicht nur im Winter ein Problem mit der richtigen Lagertemperatur, sondern auch im Sommer.
Eure Fahrzeuge stehen in einem überdimensionalen Backofen.
Ihr dürftet im Sommer locker um die 40-50°C in der Halle, oder?

Somit ist die Kombination von einem Kühlschrank, dieser sollte aber funktionieren, und einer Heizung am optimalsten. Abr einen Frostwächter in den Kühlschrank zu stellen - na ja. Die Geräte haben zwischen 1KW und 5KW Leistung. Dies ist erstens übertrieben und zweitens nicht für diese Zwecke gedacht.
VORSICHT!! BRANDGEFAHR !!!
Eine Schaltschrankheizung wäre optimaler und auch für kleine Räume, was ja ein Kühlschrand ist besser.
Beispiel:
http://www.conrad.de/ce/de/product/185520/HOCHLEISTUNGSHEIZUNG-SCHWENKBAR-HHS160/SHOP_AREA_27818&promotionareaSearchDetail=005

In Kombination mit einem geeigneten Temperaturregler.

Natürlich hat der Anschluß und die Überprüfung durch den Fachman zu erfolgen.
Wir werden aus den schönsten Träumen gerissen,
um so manchen Alptraum zu erleben.

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07.06.2012, 09:16
Original von krumel
Allerdings muss man auch beachten das viele Lösungen (grade HAES) oft nur bei maximal 32° gelagert werden dürfen, Wärmefächer aber ja im Regelfall 36-38° aufweisen.
Damit verbietet sich die Lagerung automatisch.

Genau darum geht es mir ja: Wo steht sowas denn? Auch eine solche Info konnte ich nirgendwo entdecken und sollte man ja zumindest im BEipackzettel erwarten...

07.06.2012, 09:18
Einfach eine Ladeerhaltung nachrüsten, 230V-Steckdose verbauen und einen kleinen Heizlüfter mit Thermostat oder von mir aus auch Zeitschaltuhr einbauen.
So werden in den meisten RD-Bereichen die RTW im Winter (trotz geheizter Halle) richtig warm gehalten.

Um die reine Lager-Frage zu klären: Ihr hab doch bestimmt irgendeinen Frost freien Raum an eurer Unterkunft?
Die 5-6 Infusionen, die auf diesem Fahrzeug lagern in diesen Raum legen, fertig. Nur beim Ausrücken im V-Fall nicht vergessen.

07.06.2012, 09:20
Original von Tone Bone
Original von krumel
Allerdings muss man auch beachten das viele Lösungen (grade HAES) oft nur bei maximal 32° gelagert werden dürfen, Wärmefächer aber ja im Regelfall 36-38° aufweisen.
Damit verbietet sich die Lagerung automatisch.

Genau darum geht es mir ja: Wo steht sowas denn? Auch eine solche Info konnte ich nirgendwo entdecken und sollte man ja zumindest im BEipackzettel erwarten...


Wir hatten für meinen damaligen RD-Bereich einfach bei der Firma Fresenius angerufen, uns mit dem Verantwortlichen verbinden lassen und sagen lassen, dass HAES 6 Monate ohne Bedenken warm gelagert werden kann und danach verworfen werden muss.
Ist zumindest bei uns nicht teurer (Kostenausgleich) und der Patient profitiert mit Sicherheit davon.

07.06.2012, 09:53
Das kann ich bestätigen. Auch bei uns beträgt die Lagerdauer von HAES im Wärmefach nur sechs Monate (Rücksprache mit Hersteller).

Im Ehrenamt lagern daher die HAES-Infusionen der KatS-RTWs nicht mehr im Wärmefach, sondern im Medikamentenschrank. Was übrigens auch den Vorteil hat, dass eine Verwechselungsgefahr reduziert wird (Stichwort CIRS).

Denn HAES ist seeehr teuer... Ob der "Nutzen" den finanziellen Aufwand rechtfertigt... Aber ich schweife schon wieder ab...
35 Jahre, Im-RTW-beim-Patienten-Sitzer, hauptamtlicher "Zivi"-in-den-Hintern-Treter, ehrenamtl. Löschknecht, Obermufti von einigen SSDs -- im schönsten Bundesland der Welt: Schleswig-Holstein!

07.06.2012, 10:11
Original von Hajo Behrendt


Im Ehrenamt lagern daher die HAES-Infusionen der KatS-RTWs nicht mehr im Wärmefach, sondern im Medikamentenschrank. Was übrigens auch den Vorteil hat, dass eine Verwechselungsgefahr reduziert wird (Stichwort CIRS).



Vorteil CIRS, Nachteil Gerinnung. Letzteres sollte auch noch vor den Kosten Vorrang haben.

Und zum Thema CIRS: Idiotensicher (und das muss es nicht nur in der SEG, sondern auch im Tagesgeschäft sein) ist es einen breiten Streifen mit Leuko über die Außenhülle der Infusion zu packen und HAES oder CAVE oder ähnliches drauf zu schreiben. Dann sollte es keiner mehr verwechseln.

07.06.2012, 11:24
Original von Hajo Behrendt
Das kann ich bestätigen. Auch bei uns beträgt die Lagerdauer von HAES im Wärmefach nur sechs Monate (Rücksprache mit Hersteller).


Bei uns ist es auf der Hauptamtwache vorgabe des Apothekers, das ALLE Infusionslösungen die im Wärmefach waren nur noch 6 Monate haltbar sind.

Liebe Grüße
Carina

07.06.2012, 11:34
@ Krummel

Ich sprach von Infusionen die normal im RTW, KTW etc lagern und eine Temperatur im Bereich von 20Grad haben gegenüber solchen die aus dem Wärmefach kommen und 32 oder wegen mir auch 38 Grad haben. Hier halte ich den Unterschied weiterhin für vernachlässigbar, sollange das sonstige Wärmemanagment suffizient ist. Liegt der Patient allerdings halb nackt im RTW, dessen Temperatur mit hilfe der Klimaanlage auch noch auf für das Personal angenehme 18 Grad temperiert ist, so werden auch die 3-4 warmen Infusionen nichts reissen.
Das 4 Grad zu kalt ist, darüber brauchen wir nicht zu reden.

@tici
Die imho praktikabelste Lösung dürfte sein die Fahrzeuge mit einem Anschluss für eine externe Stromquelle und einem Heizlüfter oder einem Wärmefach nachzurüsten (habt ihr noch andere Medis an Bord?). Alternativ eine entsprechend groß dimensionierte Heizung in der Halle instalieren.

07.06.2012, 11:59
Wenn die Halle eine reine Blechkonstruktion ist braucht man keine Heizung installieren. Da wäre eine imens hohe Heizleistung nötig. Und das ist finanziell unrentabel.
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07.06.2012, 12:02
Und zum Thema CIRS: Idiotensicher (und das muss es nicht nur in der SEG, sondern auch im Tagesgeschäft sein) ist es einen breiten Streifen mit Leuko über die Außenhülle der Infusion zu packen und HAES oder CAVE oder ähnliches drauf zu schreiben. Dann sollte es keiner mehr verwechseln.

Das halte ich schon für sehr übertrieben.

Natürlich gehört auch ein bewusster Umgang mit den Medikamenten zu der Infusionstherapie - genau wie zu jedem anderen Arzneimittel auch, aber gerade bei Infusionslösungen (große, gut sichtbare Schrift, im Rettungsdienst kaum unterschiedliche Konzentrationen bzw. Ampullengrößen ect.) ist doch das Verwechslungsrisiko deutlich geringer als bei Ampullen - und da kann eine Verwechslung deutlich schneller lebensbedrohlich werden, als bei einer Infusionslösung - da fängt auch keiner an, mit Leuko auf die Ampulle den Medikamentennamen zu schreiben.



Abgesehen davon ... bei Selbstbaulösungen mit Heizlüftern denke ich immer an Kaprun.... ist vmtl. ein großteil der Forumsuser etwas zu jung, aber da gab es auch schöne gutachterliche Stellungnahmen zur Verwendung des Betriebs eines Heizlüfters in Fahrzeugen....

07.06.2012, 12:14
Es ist glaub ich jedem klar, das die Geräte, die man verwenden möchte für den Zweck geeignet (ggf. erforderliche Zulassungen haben) sein müssen und der Einbau/Anschluß/Zusammenbau von einem Fachman durchzuführen ist.
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