Taschenmesser und das Waffengesetz

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10.02.2010, 17:54
Original von Buschi
Ein Auto z.B. würde ich aber durchaus als "eigenes befriedetes Besitztum bezeichnen... ;) Ich darf ja z.B. auch nackt Auto fahren, solange ich nicht nackt aussteige... Mein Auto ist Privatgrund, darin darf ich so ziemlich tun und lassen was ich will... ;) Und solange ich das Messer in einem ver-/geschlossenen (da streiten die Gelehrten noch) Behältnis transportiere, führe ich es eben nicht, weil ich, solange das Behältnis geschlossen ist, eben nicht die tatsächliche Gewalt darüber ausübe.

Ich kann mich mit dem Gedanken durchaus anfreunden, aber leider unsere Gerichte nicht. Wenn ein Auto Privatgrund wäre, dann wäre es völlig problemlos möglich, eine Schußwaffe zugriffsbereit im Auto zu haben. Das ist aber leider nicht so. Sogar im Handschuhfach ist die Waffe zu schnell zu erreichen - sie muss im Kofferraum in einem abgeschlossenen Behältnis sein, weil sie sonst zu schnell in einen droh- bzw. einsatzbereiten Zustand gebracht werden kann.
Es ist Dein Recht, Waffen abzulehnen. Es ist Deine Freiheit, nicht an Gott zu glauben. Aber wenn jemand in Dein Haus einbricht, sind die ersten beiden Dinge, die Du tun wirst: Jemanden mit einer Waffe rufen und beten, dass er rechtzeitig da ist.

10.02.2010, 18:38
Okay, da war ich möglicherweise im Irrtum, was das Auto betrifft. Soll ja mal vorkommen. ;)

Oder vielleicht doch nicht?
Soweit ich weiß, musst du deine Schusswaffe auch zu Hause in einem abgeschlossenen Behältnis lagern. Richtig? Dann wäre damit meine Aussage nicht widerlegt.

Und wenn das geschlossene Behältnis im Kofferraum genügt, dass die Schusswaffe nicht geführt wird, was ja auch verboten ist, sollte das doch für ein Messer auch ausreichen, oder?

Im Rahmen des Erwerbs meines Sportbootführerscheins war auch zwischendurch die Rede davon, dass Signalpistolen und Munition nur getrennt verpackt zum Boot transportiert werden dürfen, weil sie dann nicht geführt werden, wenn ich mich recht entsinne...
Zuletzt geändert von Buschi am 10.02.2010, 18:42, insgesamt 1-mal geändert.

10.02.2010, 18:46
Jo, da entsinnst du dich wahrscheinlich richtig, da die Waffe, auch wenn es nur eine mit Signalwirkung ist, dann nicht sofort einsatzbereit ist. Wenn du dein Messer auseinandernimmst, dann kannst du es auch mit dir tragen, weil du es dann nicht führst. Aber dann bringt es dir auch nichts...
Ich bin als Rettungsschwimmer geboren, mit Wasser gestillt und aufgezogen! Hurra!:P

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10.02.2010, 19:26
Original von Buschi
Soweit ich weiß, musst du deine Schusswaffe auch zu Hause in einem abgeschlossenen Behältnis lagern. Richtig? Dann wäre damit meine Aussage nicht widerlegt.

Doch. Innerhalb meines befriedeten Besitztums gibt es kein "Führen". Wenn ich Lust habe, kann ich mir zwei Patronengurte um die Brust hängen und mit Glock am Holster und Schrotflinte in der Hand durch den Garten laufen. Ich habe nur dafür zu sorgen, dass kein Unberechtigter an die Waffe kommt. Die Lagerung, wenn ich z.B. nicht zuhause bin, muss dann in einem entsprechenden Behältnis erfolgen.

Im Auto gilt dies leider nicht. Hier darf ich die Waffe nur "verbringen", d.h. nicht zugriffsbereit transportieren.

Das mit den Signalpistolen wird in den nächsten Monaten noch geil werden, weil die Altbesitzer, die sich nicht aktiv um Weiterbildung im WaffG bemühen, theoretisch alle ein Problem mit den Behörden bekommen könnten. Aber je mehr Menschen unter diesem Scheiß leiden, desto mehr besteht eine gewisse Hoffnung, dass das Volk aufsteht und an der Wahlurne entscheidet, dass es solche Gesetze nicht haben will.
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10.02.2010, 20:03
Okay, Don, dann hab ich mich geirrt! ;) Als juristischem (wenn auch interessiertem) Laien darf mir das bei der Gesetzesauslegung schon mal passieren. ;) Ich muss auch gestehen: Mit Schusswaffen kenne ich mich nicht wirklich aus. Spüre ich auch kein Bedürfnis nach. Bin halt nur über mein(e) Messer mit dem WaffG in Berührung gekommen.

Ich glaube allerdings nicht, dass "das Volk aufsteht und an der Wahlurne" sein Missfallen bekundet... Die meisten glauben doch, dass verschärfte (Waffen-)Gesetze unsere Gesellschaft sicherer machen, ungeachtet dessen, dass der Kriminelle sich per Definition nen Dreck um Gesetze schert. Und solange ein Großteil der Bevölkerung gar nicht merkt, dass hier (und noch an vielen anderen Stellen) ihre Freiheit beschnitten wird, um Pseudo-Sicherheit zu schaffen, wird sich "das Volk" dazu auch nicht äußern.

Aber ich denke, jetzt wird's politisch... Die Ausgangsfrage ist hinreichend beantwortet... Diskussion beendet?

10.02.2010, 20:13
Auch wenn das jetzt OT geht:
Die Gesetze beschränken zwar unsere Freiheit, das ist klar. Allerdings könnte man ohne diese Gesetze wohl einige Kriminelle, die vor ihrer Tat auffallen, nicht entsprechend bestrafen, sondern wäre machtlos, weil es ja keine Gesetze gibt, die dem Kriminellen sein Verhalten verbieten. Von daher denke ich, dass wir es hinnehmen sollten, dass unsere Freiheit in einem akzeptablen Maß beschränkt wird, zur Sicherheit aller. Es gibt ja auch in dem besagten Gesetz genug Freiräume für Leute, die nunmal mit den entsprechenden "Waffen" umgehen müssen, aber halt als Werkzeug.
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10.02.2010, 20:16
Original von Buschi
Ich glaube allerdings nicht, dass "das Volk aufsteht und an der Wahlurne" sein Missfallen bekundet...


Das größte Manko der Demokratie ist die Grundannahme, daß die Mehrheit der Wähler zur Vernunft tendieren wird.
Marc, 36 Jahre
Leiter SSD, EH-Ausb.
Ausbildungsstand: Genug um eine recht lange Liste zu produzieren.

10.02.2010, 20:41
Bei der Feststellung eines solchen Sachverhalts denkt eben auch niemand an Retter, welche es für den Dienst brauchen ....

Abgesehen davon, dass Berufsausübung ausgenommen ist, sehe ich das "brauchen" auch nicht so zwangsläufig als richtig an.
Es gibt Alternativen die die Aufgaben sicherlich ebenso zweckmäßig durchführen lassen (z.B. Nothammer mit Gurtschneider) und nur einen Bruchteil der teuren Messer kosten. Von daher braucht man nicht zwangsläufig ein solches Messer.
Zum Selbstretten halte ich entsprechende Scheren für zweckmäßiger, die braucht man aber nicht im Rettungsdienst, sondern als Feuerwehrmann im Innenangriff oder als Taucher ect., wo die Gefahr vom Verfangen in Leinen ect. besteht.
Zur Fremdrettung sind andere mittel (o.g. Hammer, Gurtschneider) in meinen Augen besser geeignet.

10.02.2010, 20:42
Original von LevSani
Auch wenn das jetzt OT geht:
Die Gesetze beschränken zwar unsere Freiheit, das ist klar. Allerdings könnte man ohne diese Gesetze wohl einige Kriminelle, die vor ihrer Tat auffallen, nicht entsprechend bestrafen, sondern wäre machtlos, weil es ja keine Gesetze gibt, die dem Kriminellen sein Verhalten verbieten.


Was wäre wohl besser - eine Tat zu rächen, nachdem sie passiert ist, oder eine Tat zu verhindern, weil Täter und Opfer die selben Möglichkeiten haben?

Der Staat verhindert kein Verbrechen. Wenn jemand mit einem Messer vor mir oder meiner Familie steht, kommt kein Polizist, um mir zu helfen. Die Polizei kommt, um nach der Tat Formulare auszufüllen und mich nach der Tat zu rächen. An der Tat selbst ändert das nichts.
Es ist Dein Recht, Waffen abzulehnen. Es ist Deine Freiheit, nicht an Gott zu glauben. Aber wenn jemand in Dein Haus einbricht, sind die ersten beiden Dinge, die Du tun wirst: Jemanden mit einer Waffe rufen und beten, dass er rechtzeitig da ist.

10.02.2010, 20:46
Hmm... wenn ich deine Logik folgen würde müsste man erwarten: Mehr Waffen im Privatbesitz -> weniger (erfolgreiche) Gewalttaten.
Wenn ich mich jetzt aber umschaue, wo viele oder extrem viele Waffen kursieren (USA, Afghanistan) dann muss ich feststellen, dass ich mich in Deutschland (wo es nur wenig privaten Waffenbesitz gibt) doch deutlich sicherer fühle. Ganz so einfach ist die Rechnung als scheinbar nicht...

10.02.2010, 21:02
Original von peit
Hmm... wenn ich deine Logik folgen würde müsste man erwarten: Mehr Waffen im Privatbesitz -> weniger (erfolgreiche) Gewalttaten.
Wenn ich mich jetzt aber umschaue, wo viele oder extrem viele Waffen kursieren (USA, Afghanistan) dann muss ich feststellen, dass ich mich in Deutschland (wo es nur wenig privaten Waffenbesitz gibt) doch deutlich sicherer fühle. Ganz so einfach ist die Rechnung als scheinbar nicht...


Von "den USA" kann man ja leider nicht sprechen, da es 50 Staaten mit 50 verschiedenen Waffengesetzen gibt. Was der Anti-Waffen-Lobby aber nicht in den Kram passt, ist die Tatsache, dass die Staaten, mit einem rigiden Waffenrecht eben die sind, in denen die meisten Gewaltverbrechen stattfinden. In den Staaten, die gesetzestreuen Bürgern erlauben, eine Waffe zu tragen, ist die Kriminalitätsrate nach Einführung dieser Regel dramatisch gesunken, während Länder, die privaten Waffenbesitz (weitgehend) verboten haben, wie Großbritannien oder Australien erleben mussten, dass die Kriminalitätsrate dramatisch explodiert ist. Wenn ich mich noch recht erinnere, war die Kriminalitätsrate in Australien seit 30 Jahren rückläufig und hat sich dann nach dem Waffenverbot verdoppelt.

Afghanistan ist ein anderes Thema. Aber glaubst Du im ernst, dass es Frieden schaffen würde, wenn eine Gruppe des Konflikts entwaffnet wird, während die andere ihre Waffen behalten darf? Es gibt in der Geschichte der Menschheit keinen Präzedenzfall, in dem das schon mal funktioniert hat. Nur hier glaubt man nun, dass alles gut wird, wenn man den Opfern die Waffen wegnimmt, während die Täter sie behalten.
Es ist Dein Recht, Waffen abzulehnen. Es ist Deine Freiheit, nicht an Gott zu glauben. Aber wenn jemand in Dein Haus einbricht, sind die ersten beiden Dinge, die Du tun wirst: Jemanden mit einer Waffe rufen und beten, dass er rechtzeitig da ist.

10.02.2010, 23:16
Don, ich stimmt 100% zu, das Gesetze Freiheiten einschränken, und dass man das vermeiden sollte.

Jedoch ist die allgemeine Bildung des Volkes SEHR begrenzt (da schließe ich mich gerne mit ein), sodass ich nicht finde das es Klug wäre, Schusswaffen zu erlauben. Natürlich stimmt es, dass die USA durch ihre Medienpolitik (Rupert Murdoch z.B.) viel zur dortigen Waffengewalt beiträgt.

Allerdings schreckt eine Waffe nciht zwingend ab, auch das zeigt uns die USA ;)

Um Churchill zu zitieren: "The best argument against democracy is a five minute discussion with the average voter" ;)

Strike "democracy" and insert "easy access to weapons", in my book. :)
" Die jungen Leute von heute sind wesentlich angenehmer als in den 60er, 70er und 80er Jahren. Sie sind toleranter und respektvoller, auch älteren Leuten gegenüber. "
- Heino

11.03.2010, 18:27
Ich kann es verstehen, dass in Schulen z.B. Messer sehr ungern zugelassen habe... Aber ich als SSD´ler habe ein Taschenmesser dabei und hab nie ein Problem bekommen.. Das mit dem Waffengesetz find ich nur sinnvoll an Flughäfen u.ä. Orten
SSD´lerin, GL, SAN A/B, AED-Schein- Besitzerin
Ich hafte nicht für Rechtschreibfehler!!!
Es heißt nicht: Tatüüütataaa, tatüüütataaa. Sondern: Zu spääät, zu späääät!

11.03.2010, 18:35
Das Waffengesetzt hat auch außerhalb von Flughäfen seinen Sinn.
Wofür du in der Schule ein Messer brauchst, musst du uns mal erklären.

Außerdem gilt in der Schule auch die jeweilige Schulordnung und bei uns sind da jegliche Messer ausdrücklich drin verboten. Ausnahmen gibts natürlich für die Cafeteria oder die Biologie etc.
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11.03.2010, 22:13
Also ich hab immer ein messer dabei, weil ich keine braunen apfelstücke mag und mir meinen apfel lieber selber frisch aufschneide... :P

Aber das ist halt ein einfaches Taschenmesser ohne irgendwelche extras...

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