Im Kunstsaal [SAN]

Notfallszenarien für Ersthelfer bis Rettungsdienstmitarbeiter.

Foren-Übersicht Erste Hilfe, Rettung und Medizin Fallbeispiele

15.02.2018, 18:28
Weiterhin Psychische Betreuung und nochmal vor Eintreffen des RD Puls + Blutdruck checken. Ansonsten dann halt die Übergabe und das wars dann auch von mir. Die Schulter belasse ich bis auf das kühlen erstmal so um dem Patienten in dieser Situation nicht noch (mehr) Schmerzen zuzufügen.
16.02.2018, 00:58
Ok, dann kommt jetzt der RTW. Die Übergabe bitte!
16.02.2018, 09:46
„Hallo, das ist Herr Müller, er stand hier auf dem Tritt *zeig* und ist dann aufgrund einer plötzlichen Lähmung des rechten Arms und eines Taubheitsgefühls im Bein von diesem gefallen, dabei hat er sich an der linken Schulter ein Hämatom zugezogen, welches wir nur gekühlt, aber erst einmal nicht weiter untersucht haben, bewusstlos war er nach dem Sturz laut Aussage einer beistehenden Lehrerin nicht. Herr Müller gab an, dass er diese Lähmung/dieses Taubheitsgefühl schon einmal vor etwa drei Wochen hatte. Wir haben darauf hin nach dem FAST Schema getestet, beim Lächeln hing einer der Mundwinkel leicht herab, den rechten Arm konnte er nicht heben, seine Sprache ist unauffällig. Wir haben darauf hin seinen Kopf erhöht gelagert.
Werte waren Anfangs ein Puls von 100 und ein Blutdruck von 150/90. Er hatte vor zwei Jahren einen Herzinfarkt und nimmt seitdem Blutverdünner und noch ein Medikament welches er uns nicht namentlich nennen konnte, zudem nimmt er Tabletten wegen seines Blutdrucks und Tabletten für seine Cholesterinwerte. Er hat zudem ein Salbutamol-Spray welches er bei Allergie bedingten Asthma Anfällen benutzt, allergisch ist er gegen Katzenhaare und Hülsenfrüchte, als letztes nimmt er noch Vitamintabletten zu sich. Können wir noch irgendwie behilflich sein?“
16.02.2018, 11:06
Ok, danke.

Willst du mit Eigenkritik anfangen?
16.02.2018, 12:47
Ja, gerne.
Also ich fand mein Vorgehen im großen und ganzen erst einmal ganz okay. Ich habe mich nicht nur auf das sturz Ereignis fixiert sondern auch nach den Hintergründen geforscht, was sich am Ende auch als gut herausgestellt hat.
Dieses hin und her mit dem Stifneck hätte nicht sein müssen, da war ich ehrlich gesagt noch ein wenig unsicher, zudem hätte ich mir die Schulter aufjedenfall einmal genauer anschauen sollen.
Bei den Medikamenten hätte ich evtl. noch einmal genauer nachfragen sollen, vielleicht hatte der Pat. ja auch vergessen eines der Medikamente zu nehmen und daher resultierten die Beschwerden. Zudem habe ich auch eher geraten, dass er evtl. Blutdrucksenkende Mittel nimmt, denn dies habe ich leider auch nicht in Erfahrung gebracht.
Zum Thema Verdachtsdiagnose: also ich habe ja jetzt primär auf einen kleinen Schlaganfall oder die Vorboten eines größeren getippt, könnte mir aber auch vorstellen, das die Beschwerden evtl. etwas mit der Medikamenten Einnahme zutun haben könnten.. vielleicht auch beides zusammen: Zb. Herr Müller nimmt seine Blutdrucksenkenden/Blutverdünnende Mittel nicht mehr und daraus resultiert dann ein Schlaganfall. ?(
Bin mal gespannt auf deine Kritik und was Herr Müller denn nun hatte... :)
16.02.2018, 13:14
Karlifax hat geschrieben:Also ich fand mein Vorgehen im großen und ganzen erst einmal ganz okay. Ich habe mich nicht nur auf das sturz Ereignis fixiert sondern auch nach den Hintergründen geforscht, was sich am Ende auch als gut herausgestellt hat.

Dem kann ich nur zustimmen, darauf wollte ich auch mit diesem Fallbeispiel hinaus.
Karlifax hat geschrieben:Dieses hin und her mit dem Stifneck hätte nicht sein müssen, da war ich ehrlich gesagt noch ein wenig unsicher

Das fand ich nicht dramatisch. Du bist zuerst auf Nummer sicher gegangen und hast den Stifneck wieder abgenommen, als du eine WS-Verletzung als unwahrscheinlich eingestuft hattest.
Karlifax hat geschrieben:zudem hätte ich mir die Schulter auf jedenfall einmal genauer anschauen sollen.

Das hätte man eventuell machen können, aber das war ja bei diesem Patienten definitiv nicht das größte Problem.
Karlifax hat geschrieben:Bei den Medikamenten hätte ich evtl. noch einmal genauer nachfragen sollen, vielleicht hatte der Pat. ja auch vergessen eines der Medikamente zu nehmen und daher resultierten die Beschwerden. Zudem habe ich auch eher geraten, dass er evtl. Blutdrucksenkende Mittel nimmt, denn dies habe ich leider auch nicht in Erfahrung gebracht.

Ja, das wäre noch ganz nett gewesen. Z.B. nach den "Blutdrucktabletten" hättest du einfach nochmal nachhaken können, der liebe Herr Müller hätte in seiner Tasche irgendwo noch eine Medikamentenliste rumfliegen gehabt ;) Da das aber eh keine weitere Konsequenz für deine Behandlung gehabt hätte, sehe ich das auch nicht als gravierenden Fehler.
Karlifax hat geschrieben:Zum Thema Verdachtsdiagnose: also ich habe ja jetzt primär auf einen kleinen Schlaganfall oder die Vorboten eines größeren getippt, könnte mir aber auch vorstellen, das die Beschwerden evtl. etwas mit der Medikamenten Einnahme zutun haben könnten.. vielleicht auch beides zusammen: Zb. Herr Müller nimmt seine Blutdrucksenkenden/Blutverdünnende Mittel nicht mehr und daraus resultiert dann ein Schlaganfall. ?(

Da warst du ganz richtig gelegen, Herr Müller hatte einen Schlaganfall (warum genau und ob das etwas mit den Medikamenten zu tun hatte, sei mal dahingestellt) und ist infolge der halbseitigen Lähmung gestürzt.

Ich fand, wie schon oben gesagt, besonders gut, dass du dich nicht auf den Sturz versteift hast, der letztendlich nicht das Hauptproblem des Patienten war, sondern dass du schnell auf den Schlaganfall gekommen bist.

Zur schnellen Erkennung von Schlaganfallsymptomen empfiehlt sich sich das FAST-Schema. Damit ist sichergestellt, dass man an alle wichtigen Punkte denkt (wen es interessiert: http://flexikon.doccheck.com/de/FAST-Test).

Ach ja: Hast du wirklich nur einen EH-Kurs? Stifneck und auch die recht umfangreiche Anamnese wären schon beeindruckend für jemanden ohne irgendeine sanitätsdienstliche Ausbildung :)
Jemand, der es in der Ausbildung gelernt hat, hätte auf jeden Fall noch den BZ messen können. Sonst hat mir die Versorgung gut gefallen, die Verdachtsdiagnose wurde schnell gestellt, eine ordentliche Anamnese wurde erhoben, die richtige Lagerung wurde hergestellt und der Notruf wurde rechtzeitig abgesetzt - was will man mehr :)

Dann bedanke ich mich, dass du an meinem Fallbeispiel teilgenommen hast und gebe es zur allgemeinen Diskussion frei :)
16.02.2018, 13:27
Vielen Dank für dein Feedback! :)
Ja, ich habe offiziell erst den EH, doch unser Ausbilder (von den Johannitern) bringt uns gerne noch weiterführende Dinge bei, aber BZ messen oder Absaugen habe/n ich/wir zB. noch nicht gelernt.
Vielen Dank für das FB und Danke das ich mitmachen durfte, hat mir sehr gut gefallen und war auch schön moderiert, vorallem die schnellen Antworten deinerseits haben mich sehr gefreut. :)
16.02.2018, 13:45
Danke, deine Antworten waren auch immer sehr angenehm zu lesen :)

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