Sanitätsbetreuungen durch den SSD?!

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22.06.2010, 17:07
Auch wenn es ein wenig OT ist: Arbeiten die HiOrgs nicht alle ehrenamtlich und ohne Gewinn!?? Wegen des gemeinsamen Ziels Menschen zu helfen!?
Irgendwie klingen manche Schilderungen über das Verhalten von HiOrgs zueinander für mich doch sehr abgedreht - was haben die denn davon!??

22.06.2010, 17:14
Also zu eurem Abifest: Bei uns haben einige Hallenbetreiber einen Rahmenvertrag mit einer HiOrg, der besagt, dass jede Veranstaltung in dieser Halle von dieser Hiorg betreut wird. War bei unserem Abiball das gleiche. Da konnten wir auch nicht sagen "es sind ja Sanis da", der SanDienst wurde also quasi mit der Miete für die Halle gleich mitbezahlt.
...meint die Bine
RS, Ausbilderin EH, SanKurs, AED und Praxisanleiterin
Studentin (Bio und Chemie auf Lehramt)

22.06.2010, 17:29
Ich geh mal auf dein OT ein peit:
Ja, die Helfer machen vermutlich zum Großteil den Dienst aus reiner Nächstenliebe - die HiOrg dahinter arbeiten aber immer gewinnorientiert. Weil von irgendwas müssen ja neue Ausrüstung, laufendes Material, etc angeschafft werden. Und wenn man andere HiOrgs ausstechen kann, dann profitiert man nicht nur durch den direkten Gewinn (mehr Dienste = mehr Geld), sondern auch durch eine höhere Aktivität und dadurch höhere Öffentlichkeitswirksamkeit und das wiederum bedeutet mehr Fördermitglieder (und auch Aktive). (So zumindest die Rechnung der HiOrgs).
Das Leben ist eben hart und es wird überall gekämpft. Idealismus gibt es nur bei den Indianern, aber nicht bei den Häuptlingen.

Wobei ich glaub nochmal betonen muss, dass ich nix davon halte - aber es eben so erlebe. Sicherlich gibt es auch Regionen wo die HiOrgs noch relativ friedlich miteinander auskommen, aber letztlich ist es auch nur ein Markt, der umkämpft ist. Das sieht man doch schon daran, dass für größere Dienste es Ausschreibungen gibt und man versucht sich zu unterbieten und messerscharf kalkuliert ob es sich evt. lohnt ein paar Euro "Verlust" zu machen aber dafür den Dienst der anderen HiOrg zu nehmen.
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Alex
"Wer für alles offen ist, kann nicht ganz dicht sein!"

22.06.2010, 18:25
Original von SunshineSani
Ja, die Helfer machen vermutlich zum Großteil den Dienst aus reiner Nächstenliebe - die HiOrg dahinter arbeiten aber immer gewinnorientiert. Weil von irgendwas müssen ja neue Ausrüstung, laufendes Material, etc angeschafft werden.


I.d.R. arbeiten Hilfsorganisationen nicht gewinnorientiert, sondern gemeinnützig.
Das heißt nicht, dass sie Leistungen kostenlos erbringen, sondern dass am Ende eine (schwarze) Null steht.
Wie du schon sagst, das erwirtschaftete Geld geht z.B. in Ausrüstung, gemeinsame Vereinsaktivitäten, Unterkunft, Reisen - aber auch für andere Projekte, die finanziell subventioniert werden (z.B. Jugendarbeit, Seniorennachmittage ....).
Von daher sind die Hilfsorganisationen schon wohl auf bezahlte Dienste angewiesen - aber ich denke, dass die Preisgestaltung dort auch meistens dem Event angepasst ist - eine Veranstaltung, die Gewinne macht (z.B. Schützenfest - der Festwirt sorgt ja häufiger je nach Größe für SanDienste) wird anders zahlen müssen, als der lokale Fussballverein für die Ausrichtung eines Jugendturniers ohne Einnahmen.

Und da liegt der Hase im Pfeffer - der Abiturjahrgang wird ja eben die Abi-Fete veranstalten, um Geld einzunehmen, somit wird die HiOrg zu Recht Geld für die Betreuung verlangen.

22.06.2010, 20:25
Sorry, ich hab das (zumindest im gGmbH-Bereich) ganz anders erlebt.

Die vormals hauptamtliche Dienststelle (Essen, Behindertenfahrdienst, Ausbildung) wurde geschlossen, weil sie nicht genug Gewinn (!) erwirtschaftete, das Personal entlassen.

Trotz schwarzer Zahlen wurde das Ziel, mind. fünf Prozent mehr Gewinn als im Vorjahr zu erwirtschaften, nicht erreicht und die Dienststelle eiskalt zugemacht. Damit hatte die ältere Dienststellenleiterin, die der "armen alten Oma" auch mal umsonst ein "Essen auf Rädern" vor die Tür stellte, nicht gerechnet. War ja früher alles mal mildtätig und ging schon in Ordnung...

Vorbei die Zeiten!

Allein den Begriff "gGmbH" finde ich schon witzig. Unter "gemeinnützig" verstehe ich in der Tat die gute alte karitative HiOrg, die Menschen in Not uneigennützig unterstützt.
Unter einer "GmbH" verstehe ich ein knallhart kalkulierendes, gewinnorientiertes Wirtschaftsunternehmen, das notfalls auch über Leichen geht um seine Ziele zu erreichen. Halt Kapitalismus pur...

Da frage ich mich: Wie passt das zusammen??? Für mich ein völlig absurdes Konstrukt...

Natürlich darf am Ende bei der "g"GmbH kein Reingewinn stehen. Aber da gibt es genügend Möglichkeiten, das zu verschleiern. Und notfalls wird anstelle des alten Golfs halt ein Oberklasse-Wagen beschafft und der rostige Transit gegen einen nagelneuen Sprinter ausgetauscht.

Ist da noch überall "Wohlfahrt" drin, wo "Wohlfahrt" draufsteht?
35 Jahre, Im-RTW-beim-Patienten-Sitzer, hauptamtlicher "Zivi"-in-den-Hintern-Treter, ehrenamtl. Löschknecht, Obermufti von einigen SSDs -- im schönsten Bundesland der Welt: Schleswig-Holstein!

22.06.2010, 21:59
Hmm...
Nach Hajos letzten Post bin ich froh, dass es bei uns in der ehrenamtlichen HiOrg auch wirklich ausschließlich ehrenamtliche gibt.
Die paar hauptamtlichen Mitarbeiter in der Verwaltung lassen sich selbst auf Bundesebene an zwei Händen abzählen :-)

01.07.2010, 20:48
Ein Schulsanitätsdienst, ist ein Schulsanitätsdienst, ist ein Schulsanitätsdienst ...

Ein SSD ist grundsätzlich eine besonderes pädagogisches Angebot innerhalb einer Schule. Es handelt sich also nicht um eine "Hilfsorganisation" oder einen "Sanitäsdienstleister" innerhalb der Schule. Der SSD unterstützt bei Hilfeleistungen im Schulaltag. Die Verantwortlichkeit - diesen Hinweis habe ich schon mehrfach gegeben - liegt aber weiterhin bei der Schulleitung bzw. bei den Bediensteten der Schule.

Wenn ein SSD externe Dienstleistungen anbieten würde, wäre da ja so eine art Schülerfirma. Mit Schülerfirmen gab es in der Vergangenheit schon häufiger Probleme wegen tatsächlicher oder vermeintlicher Konkurrenz zu gewerblichen Anbietern. Das geht in der Regel sehr schnell. Hier stellt sich dann auch die Frage der Verantwortlichkeit.

Die ganzen rechtlichen Fragen sind ja in den vorangegangenen Beiträgen schon besprochen worden.

Das Konzept des SSD verbietet m. E. auch, der betreuenden HiOrg Konkurrenz zu machen. Das gibt bestimmt Ärger.

Die einizige saubere Lösung wäre die Sanitäsdienste über die (betreuende) HiOrg anzubieten.
Gerd,
Fachkraft für Arbeitssicherheit an öffentlichen Schulen in Niedersachsen (ex SSD, ex LRA).

04.07.2010, 09:24
Ähmmm...... welche Autorität hat denn der Vermieter der Halle zu entscheiden, ob ein Sanitätsdienst notwendig ist, oder nicht?

Also meine 5 Cent:
Lasst den San-Dienst weg und spart euch so das Geld. Ich bin schon ein wenig zu alt dafür, aber ich denke, eine Disco mit ein paar Tausend Besuchern hat auch keinen eigenen RTW vor der Tür stehen. Fragt doch mal beim zuständigen Amt nach, wie die gesetzlichen Vorschriften zu dem Thema sind.
Es ist Dein Recht, Waffen abzulehnen. Es ist Deine Freiheit, nicht an Gott zu glauben. Aber wenn jemand in Dein Haus einbricht, sind die ersten beiden Dinge, die Du tun wirst: Jemanden mit einer Waffe rufen und beten, dass er rechtzeitig da ist.

04.07.2010, 14:11
Original von Don Spekulatius
Ähmmm...... welche Autorität hat denn der Vermieter der Halle zu entscheiden, ob ein Sanitätsdienst notwendig ist, oder nicht?


In vielen Fällen sind der Vermieter und die örtliche Gefahrenabwehrbehörde ein und die selbe Person (= Gebietskörperschaft). Auch habe ich schon von privat betriebenen Versammlungsstätten gehört, wo die Grundsätzliche Forderung nach einem Sanitätsdienst pauschal oder aufgrund von Veranstaltungsarten gleich Teil der Betriebserlaubnis war.

Wobei ich bei Hallen im öffentlichen Besitz skeptisch hinsichtlich dem Zwang der Beauftragung eines bestimmten Dienstleisters bin.
Marc, 36 Jahre
Leiter SSD, EH-Ausb.
Ausbildungsstand: Genug um eine recht lange Liste zu produzieren.

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